Dienstag, 24. März 2015

Grotte di Toirano, Vicoli und La Lanterna: von ganz unten bis nach ganz oben!

Ciao Ragazzi,

nun sind schon beinahe 4 Woche vergangen, die ich in Genua bin. Ende dieser Woche ist schon 1/3 meines Praktikums vorbei. Incredibile!
Daher wird es so langsam Zeit, dass ihr ein bisschen mehr über mein Leben hier erfahrt. Die groben Eckpunkte sind ja bereits bekannt: März-Mai, Praktikum, Goethe-Institut. 

Aber jetzt mal ein bisschen detaillierter: Ich wohne ungefähr 5 Minuten vom historischen Hafen entfernt, mitten im Zentrum der lauten, quirligen und ganz schön großen Hafenstadt. Zusammen mit einer deutschen (mit welcher ich aber nur Italienisch spreche), einem Italiener und 5 Spaniern wohne ich in einer riesigen Wohnung, die wirklich schön ist. Mein Zimmer is zwar nicht gigantisch groß und auch etwas dunkel, aber dafür umso gemütlicher. Die zwei Bäder und die bombastische Küche teilen wir uns, außerdem gibt es ein Wohnzimmer. Solange man nicht die Waschmaschine und den Geschirrspüler gleichzeitig anmacht (dann gibt es einen Kurzschluss) oder nicht gerade alle 8 Bewohner im Internet surfen (dann ist es doch schneller Brieftauben anstatt Mails zu schicken) funktioniert alles super. 
Meine Mitbewohner sind alle nett und erstaunlich reinlich, man kann sich also wirklich wohl fühlen. Leider haben wir nicht all zu viel miteinander zu tun, da ich einen geregelten Tagesablauf habe, und sie eher einen geregelten Nachtablauf. Meistens gehe ich ins Bett, wenn sie aufstehen, und andersrum. Aber nett sind sie trotzdem.

Von unserer Wohnung ist man nicht nur in 5 Minuten am alten Hafen und somit am Meer, sondern auch überall anders. Zur Arbeit laufe ich maximal 15 Minuten, zur Shoppingstraße ebenso, und der Weg zum Theater kostet mich gerade einmal 10 Minuten. Es ist so angenehm alles zu Fuß erledigen zu können, und nicht immer auf irgendwelche Busse warten zu müssen, die am Ende ja doch nicht kommen!

Auch mein Praktikum gefällt mir immer noch. Bisher hat es noch kein böses Erwachen gegeben, und ich bin auch guter Dinge, dass das so bleibt. Von Montags bis Freitags bin ich also den ganzen Tag mit Übersetzungen, Recherchen, Mails schreiben, Botengängen, und so weiter beschäftigt. Dabei bleibt auch viel Raum für kreative Arbeiten, ich kann selbst Ideen einbringen und gewisse Dinge selbst entscheiden. Darauf ist das Goethe-Institut hier auch einfach angewiesen, ohne Praktikanten würde man in Arbeit versinken.
Zusätzlich kann ich immer wieder zu verschiedenen Veranstaltungen gehen. Bisher war eine große Ausstellungseröffnung, ein Theaterstück sowie ein Vortrag zur deutsch-italienischen Beziehung dabei. Auch für Anfang April ist schon wieder eine Ausstellungseröffnung geplant, es wird also nicht langweilig. (Außer wenn wir mal wieder Strom- und/oder Interntausfall haben. Dann ist es etwas unspannend.)

An den Wochenenden suche ich mir immer irgendetwas, was ich mir anschauen kann. Ich habe mir einen richtigen Plan gemacht, wann ich frei habe und was ich in der Zeit hier alles sehen will. Letzte Woche habe ich dann den ersten Punkt schon umgesetzt, ich bin zusammen mit meiner deutschen Mitbewohnerin und einem Freund von ihr nach Toirano gefahren, und wir haben uns die Grotten angeschaut. Nach etwas mühseliger Anreise - mit mehr als einer Stunde auf den Bus warten muss man in der italienischen Provinz schon rechnen - hat sich all die Mühe auch wirklich gelohnt. In ca. 70 Minuten haben wir die Höhle erkundet, sind 500m unter der Erde über Stock und Stein gewandert, haben Stalagmiten und Stalagtiten in jeglicher Form, sowie Knochen eines Steinzeitbärens gefunden. Da Bilder bekanntlich mehr als tausend Worte sagen, schaut es euch einfach an:











Am nächsten Morgen habe ich mich auf den Weg zum Theater gemacht. Dort haben sie eine ganz nette Tradition: jeden Sonntag gibt es einen MusicAperitivo, das heißt für 3€ kann man eine Stunde bei Kammermusik oder einer öffentlichen Probe zuhören, danach gibt es was zu trinken und Focaccia (genovesische Pizza - unglaublich lecker!) bis zum Abwinken. Ich habe mir also die öffentlich Probe zu "Fedora" angeschaut, der neuen Oper die diese Woche Premiere feiert. Obwohl mehrmals unterbrochen und neu angefangen wurde, und wir somit nur den ersten Akt gesehen haben, war ich doch positiv überrascht. Gute Solisten, nettes Bühnenbild, sympatischer Chor, und ein erstaunlich gutes Orchester. Für 3€ - kann man mal machen! 

Nach einer weiteren Woche Arbeit, in der ich mit Ariana zwischendurch mal ins englischsprachige Kino gegangen bin, um mir den neuen Cinderella Film anzugucken, war auch schon wieder Wochenende. Diesmal habe ich es dazu genutzt, um mir zwei weitere Wahrzeichen Genuas genauer anzuschauen: I Vicoli und La Lanterna.

Nach der Arbeit habe ich mich Freitag Abend in die Vicoli gestürzt. So nennt man in Genua das System der Altstadtgassen, welches das größte in ganz Europa ist. Über Kilometer ziehen sich so winzig kleine Gassen durch die ganze Stadt und am Hafen entlang, dass man teilweise kaum mit einer Vespa durchkommt. Kreuz und Quer gebaut, bilden sie in Netz, welches selbst für die Genovesen teilweise schwer zu überblicken ist. Bevor ich nach Genua gekommen bin, haben mich meiner Großeltern gewarnt, dass ich lieber nicht alleine in die Vicoli gehen sollte, ich würde mich nie wieder herausfinden. Ich hab gedacht, ach, so schlimm kann das doch nicht sein. 
Man sollte eben doch auf seine Großeltern hören.


Die Altstadt Genuas von oben.

Ohne einen Plan oder eine Karte habe ich mich einfach ins Getümmel gestürzt, bin den Menschenmassen gefolgt, und habe mich einfach umgeschaut. Und siehe da, es gibt so einiges zu entdecken! Von kleinen niedlichen Restaurants über ziemlich cool aussehende Läden bis zu Galerien und Friseuren findet man eigentlich alles in den Vicoli. Von einem kleinen Markt kam ich über eine einsame Gasse, in der auf einmal alle Schilder nur noch auf Chinesich und Arabisch geschrieben waren, zum Rotlichtbezirk Genuas, in dem mir plötzlich viele leichtbekleidete Damen entgegen kamen. Schlussendlich kam ich an einer Touristenstraße am Hafen heraus, mit einem Cupcake Laden und der obligatorischen Focacceria. Solange man einen halbwegs guten Orientierungssinn (oder ein funktionierendes Navi im Handy) und es noch hell ist, kann man meiner Meinung nach bedenkenlos durch die Vicoli schlendern und alles erforschen. Nach Sonnenuntergang wurde mir dringend dazu geraten, nur noch die großen Straßen zu benutzen. Denn dann spielen sich in der größten Altstadt Europas wohl Dinge ab, denen man lieber nicht alleine begegnen will.

Am Samstag habe ich mich dann aufgemacht, "La Lanterna" zu besichtigen. Das ist der Leuchtturm Genuas, der einsam und alleine am äußersten Ende des Hafens steht, und den Schiffen schon seit unzähligen Jahren als Orientierungspunkt dient. Bis zu 50 Km weit kann man das Licht des ältesten in Europa noch funktionierenden Leuchtturms sehen. Nach einer guten Stunde Fußmarsch bis zum Turm, hatte ich noch 177 Stufen zu bewältigen, und von da an lag mir Genua wortwörtlich zu Füßen. Zwar war das Wetter an diesem Ta nicht all zu besonders, um die gigantischen Ausmaße der Stadt anzuschauen hat es jedoch gereicht: 








Und als ich mich schon auf einen gemütlichen Samstagabend einstellen wollte, hat mich meine Mitbewohnerin noch spontan gefragt, ob ich mit zu einer Geburtstagsparty kommen möchte. Da ich natürlich keine Gelegenheit auslassen will, um Leute kennen zu lernen, bin ich mit, und es wurde ein wirklich sehr lustiger Abend. Ein Inder hatte Geburtstag, und mehr als 60 Erasmusstudenten und auch viele Italiener sind gekommen, um mit ihm zu feiern. Ich habe alle 5 Minuten mit neuen Leute gesprochen, aus allen Herren Länder. Diesmal waren dabei: Italien, Großbritannien, Irland, Frankreich, Belgien, Deutschland, Portugal, Türkei, Finnland, Spanien, Österreich, Kanada und natürlich Indien. Es ist immer so unglaublich interessant in einer Gruppe von so vielen verschiedenen Nationen zu sein, eindeutig eines der besten Erlebnisse an der gesamten Erasmussache!

Bacci!

Montag, 9. März 2015

Benvenuto a Genova!

Ciao Ragazzi,

und ein ganz herzliches "Willkommen", ihr habt durchgehalten und jetzt auch den genovesischen Part meines Blogs erreicht. Herzlichen Glückwunsch!
Seit einer guten Woche bin ich nun also hier, in dieser großen, pulsierenden Stadt. Mit knapp 800.000 Einwohner ist es eine der größten Städte Italiens, zieht sich ca. 30 Km die Küste entlang, eingequetscht zwischen Meer und Gebirge elegant die Hänge hinauf gebaut. Heimat von Christoph Columbus, dem berühmten Pesto alla genovese und Paganini. Und ich muss sagen, Genua kann sich durchaus blicken lassen!





Nach einem wirklich sauanstrengenden Umzug von Bologna hierher, habe ich das erste Wochenende damit verbracht, mir ein bisschen die Umgebung anzuschauen, meinen erste Stadt- und Hafenrundgang zu machen, und meinen ganzen Kram irgendwie zu sortieren. 
Genua ist so eine typische italienische Stadt, in die man sich erst auf den zweiten Blick verlieben kann. Überall gibt es riesige Häuser, die sogenannten Palazzi, unendliche Altbauhäuser, gerne mit 5 oder mehr Etagen, die mich immer sehr an Paris erinnern. Diese Palazzi gestalten so gut wie das gesamte Stadtbild, fast nirgendwo gibt es ein Haus in einem anderen Stil. Nur leider sind nicht alle so gut erhalten, an manchen wurde seit Jahren nichts mehr gemacht. Deswegen könnte es an manchen Ecken noch wesentlich schöner aussehen als es momentan der Fall ist, wenn man sich ein bisschen mehr um die Bausubstanz kümmern würde. 

Trotzdem ist Genua eine echte Perle. Alleine der historische Hafen macht allen abgeblätterten Putz wieder wett, den ich auf meinem nur 5-minütigen Spaziergang von meinem Haus zum Meer gesehen habe. Der Hafen ist riesig, beherbergt das berühmte Aquarium sowie unendliche Restaurants, Kneipen und Vergnügungsanstalten. Dort gibt es auch den "Bigo", ein kranartiges Ding, bei dem man mit einer Gondel 40m hoch fahren kann. Das durfte ich an meinem ersten Tag in Genua natürlich nicht verpassen!







Letzten Montag habe ich dann mein Praktikum beim Goethe-Institut angefangen. Dort fühle ich mich nach jetzt einer guten Woche auch wirklich wohl. Ich habe bisher noch nicht einmal Kaffee kochen oder kopieren müssen! 
Das Büro ist sehr klein, es arbeiten dort nur die italienische Institutsleiterin sowie zwei weitere Angestellte (eine deutsche, eine Italienerin aus Südtirol, also zweisprachig) sowie normalerweise zwei Praktikanten. Im Moment sind wir aber zu dritt, und so sind außer mir noch Ariana und Virginia, beides italienische Studentinnen aus Genua. Wir drei verstehen uns auch wirklich gut, und so herrscht ein sehr angenehmes Arbeitsklima. Bisher habe ich vor allem Übersetzungen gemacht, Texte geschrieben für Programmhefte und die Website, Recherchen für verschiedene Messen und Festivals gemacht und so weiter. Selbst auf eine Ausstellungseröffnung im großen und sehr bekannten Palazzo Ducale durften wir schon mit, dort werden bis Juli viele Werke deutscher Expressionisten ausgestellt. Prinzipiell gefällt mir an meiner momentanen Arbeit, dass man nicht so als Praktikant behandelt wird, wie ich das andernorts schon erlebt habe. Man merkt, dass man dieselben Aufgaben macht, die die normalen Angestellten dort auch machen würden, zu denen ihnen aber einfach die Zeit fehlt. Arbeitssprache im Büro ist übrigens Deutsch und Italienisch: mit der Direktorin wird Italienisch gesprochen, mit den beiden Mitarbeiterinnen Deutsch, und wir Praktikanten sprechen einen Mix aus Deutsch und Italienisch, je nachdem wie man sich gerade besser ausdrücken kann.

 
Am Wochenene habe ich auch gleich meine erste Begegnung mit der italienischen Jugend gehabt: nachdem ich am Samstag Vormittag mit Virginia zu einer Konferenz einer Zeitung war, habe ich ein paar ihrer Freunde kennen gelernt, und wir haben uns gleich für den Abend zum Aperitivo verabredet. Erst ging es in einer kleine und sehr unscheinbare Bar, in der riesige Zylinder voller Wein rumstanden. Gereicht wurde dieser mit Platten voll Käse und Wurst, sowie kleinen brotartigen Teilchen. 






Anfangs waren wir nur zu viert, doch in typisch italienischer Manier kamen nach und nach immer mehr Leute dazu. Alle waren irgendwie miteinander befreundet, sind zusammen in die Schule gegangen, kennen sich über ihre Eltern oder sind sich sonst irgendwo über den Weg gelaufen. Jedenfalls waren alle eine große Familie, in die auch ich an diesem Abend relativ schnell und freundlich aufgenommen wurde. So gab es Wein, wurde sich unterhalten, Trinksprüche abwechselnd auf Italienisch, Neapolitanisch, Genovesisch und Deutsch gebracht, bis dann alle so lustig waren, das sich sowieso alle lieb hatten. Kurz vor Mitternacht sind wir in die Altstadt gegangen, ein Wirrwarr aus unzähligen, klitzekleinen Gassen, in welches man als Fremder lieber gar nicht erst reingehen sollte, zu groß ist die Gefahr nicht wieder herauszufinden. Aber ich war ja in guter Gesellschaft, also alles kein Problem. Auf einer kleinen Piazza angekommen ging das muntere Gequatsch weiter, eine Band spielte, und auch hier gab es genug zu trinken, dass alle am Ende glücklich und zufrieden nach Hause gegangen sind. Gerade für mich war das ein sehr besonderer Abend, denn genau so hatte ich mir Italien vorgestellt. Zwar hab ich auch meine internationalen Freunde in Bologna gerne, und möchte sie gegen keinen Italiener dieser Welt eintauschen. Aber von so einem richtig italienischen Abend hatte ich doch immer geträumt. Als einzige Ausländerin (und dazu noch Blondine) fällt man natürlich auf, deswegen hatte ich eigentlich die ganze Zeit irgendeinen Gesprächspartner, der mich ausgefragt hat. Den ganzen Abend wurde Italienisch gesprochen, ich habe mehr Schimpfwörter gelernt als die 6 Monate vorher zusammen, und kann jetzt sogar einen Trinkspruch auf Genovesisch! Alles in allem: es war herrlich!






Am Sonntag habe ich dann noch einen kleinen Abstecher ins Theater gemacht. Dort hat nämlich das Finale des Internationalen Paganini Wettbewerbes stattgefunden, einem ziemlich großen und bekannten Violinenwettbewerb. Da die Karte nur 5€ kostete und ich vor allem einmal die Oper anschauen wollte, bin ich ohne große Erwartungen dahin gegangen. Und gleich am Anfang wurde ich ziemlich geschockt, als der Moderator verkündete, das Fabio Luisi der Vorsitzende der Jury ist! Für diejenigen von euch, die es nicht so mit klassicher Musik haben: Fabio Luisi zählt zu den weltbesten Dirigenten, war lange in Leipzig und Dresden tätig, ist aktuelle GMD in Zürich und außerdem der Stellvertreter an der MET in New York. Also wirklich ein richtig großer. Und der saß jetzt nur 10 Meter von mir entfernt! 
Auch der eigentliche Wettbewerb war wirklich toll, hochkarätiger Musikernachwuchs aus Deutschland, Japan, China, den USA, Lettland und Russland. Definitiv ein lohnendes Ereignis!

Bacci!

Dienstag, 17. Februar 2015

Eine Rundfahrt die ist lustig! Und nass! Und kalt! Aber schön!

Ciao Ragazzi,

auch wenn ich inzwischen schon wieder in Deutschland bin, und meine letzten freien Tage genieße, bevor mein Praktikum in Genua beginnt, muss ich euch natürlich noch erzählen, wie ich meine letzten Tage in Bologna verbracht habe. Da gibt es nämlich einiges zu erzählen!

Angefangen hat meine Reise in meinem heißgeliebten Venedig. Dort waren wir am Samstag, um die Eröffnung des berühmten venezianischen Karnevals anzusehen. Gemeinsam mit meiner belgischen Freundin Anouk war ich den ganzen Tag bei blauem Himmel und Sonnenschein in der Lagunenstadt unterwegs. Wir haben versteckte Gassen und Plätze gefunden,und dabei vor allem das entspannte und typische Venedig gesehen, abseits der Touristen.
Am Abend war dann die offizielle Eröffnung des Karnevals. Am Canale Reggio haben sich zur Dämmerung tausende von Leuten eingefunden, und es wurde eine spektakuläre Show auf dem Wasser geboten, mit viel Licht und Musik. Ein wirklich einmaliges Erlebnis!






















Am nächsten Morgen ging es weiter zu einer etwas längeren Fahrt, mit ersten Zwischenstopp in Turin. Nach 4 Stunden Zugfahrt bin ich auch hier von Sonnenschein und recht angenehme Temperaturen empfangen wurden, und habe mich sogleich zur Besichtigung der Stadt aufgemacht. Bei der Touri-Info gab es ein kleines Heft, in welchem verschiedene Stadtspaziergänge durch Turin beschrieben waren, und die habe ich dann einfach verfolgt. So habe ich in ca. 3 Stunden alles wichtige gesehen, und habe mich im Anschluss mit Ellie getroffen, die wiederrum mit einer ihrer britischen Freundinnen schon das Wochenende in Turin verbracht hatte. Zusammen haben wir noch den Po überquert und anschließend einen kleinen Berg bezwungen, von dem man einen atemberaubenden Blick über die ganze Stadt hatte, und rundherum die Alpen sehen konnte. Herrlich!








Nach einem Baccioni (Lokalgetränk in Turin, heiße Schokolade mit einem Espresso, Mandelsirup und Sahne) haben Ellie und ich uns dann auf den Weg nach Frankreich gemacht. Dort wollten wir nämlich unsere gemeinsame Freundin Agathe besuchen, die mitten in den französischen Alpen wohnt, und nebenbei noch Ellie zum ersten Mal in ihrem Leben auf Skier stellen. Also ging die Fahrt mit dem Zug von Turin nach Bardonecchia, von Bardonecchia dann mit einem kleinen Bus auf die französische Seite nach Modane, wo uns dann Agathe mit dem Auto abgeholt hat, und wir nach ca. 30 Minuten ihre Heimat St.-Jean-de-Maurienne erreichten. Am Abend gab es noch Käse-Raclette (bei dem man nur den Käse in der Raclettepfanne schmilzt, und den dann über Kartoffeln und Schinken kippt), und danach sind wir nur noch ins Bett gefallen. Die nächsten 2 Tage hatten es dann auch absolut in sich: wir haben Board, Boots und Helm geliehen, und sind in das Skiegebiet "Les Karellis" gefahren, nur 20 Minuten von Agathes Haus entfernt. Dort gab es alles, was das Ski/Snowboarder Herz begehrt: ewig lange Pisten, 2 Meter hoher Schnee, Sonnenschein, zig Lifte, und kaum Menschen. Während Agahe Ellie Skifahren beigebracht hat, bin ich alleine auf die Gipfel, und habe fast alle Pisten ausprobiert. Da es in der Woche war, und in Frankreich noch keine Schulferien waren, war ich teilweise mehr als 90 Minuten alleine - mir ist kein Mensch begegnet, bis auf den Mann in der Lifthütte. Das zusammen mit Sonnenschein, perfekt präparierten Pisten, und einem frisch geschliffenen Snowboard - es war der Himmel auf Erden!




















Am Mittwoch haben wir dann noch das Opinelmuseum angeschaut, und waren ein bisschen in dem seeeeehr kleinen Dörfchen bummeln. Mittags ging dann unser Bus nach Modane, und von dort haben wir wieder den Bus genommen, der uns nach Bardonecchia zurück auf die italienische Seite bringen sollte. Doch noch vor dem kilometerlangen Tunnel, der durch die Alpen geht, mussten wir anhalten. Im Tunnel gab es einen Unfall, Vollsperrung. So mussten wir über eine Stunde draußen warten, mit der Ungewissheit wann wir hier überhaupt weiterkommen. Im Sommer mag das alles sehr schön sein, mit in den Alpen eine Pause einegen zu können. Bei -10°C und 2 Meter Schnee war das allerdings nicht so lustig.
Irgendwann ging es dann aber weiter, und wir konnten von Bardonecchia nach Turin fahren. Nur hatten wir natürlich unseren Anschlusszug nach Bologna verpasst, bei dem das Ticket an diesen bestimmten Zug gebunden war. Wir also zur netten Ticketfrau, und ihr erklärt was passiert ist. Nach mehr als 20 Minuten warten, hat sie uns dann auch tatsächlich ohne zu murren unsere Tikets wiedergegeben, wir konnten einfach den nächsten Zug nehmen. Hallelujah! Nach mehr als 10 Stunden Fahrt sind wir dann auch mehr als erschöpft wieder in Bologna angekommen.

Doch von Erholung keine Spur! Denn am Donnerstag wollten Ellie und ich nach Padua fahren. Schon in Bologna hat es in Strömen geregnet, in Padua angekommen ist das ganze dann in einen Eis/Schneeregen umgeschlagen. Innerhalb von Minuten lag 10cm Schneematsche auf der Straße, dazu gab es einen so krassen Wind, dass wir im Laufe des Tages keinen Mülleimer mehr gefunden haben, der nicht mit zerstörten Schirmen voll war.
So haben wir uns durch die Kälte und Nässe geschlagen, bis wir schließlich in die Kapelle von Giotto gegangen sind. Ein wunderschönes Gebäude, welches mit sehr viel Aufwand so wunderschön erhalten wird. Bevor man rein geht, muss man zum Beispiel 20 Minuten in einer Schleuse sitzen, und die Luftfeuchtigkeit, die die Besucher mitbringen, wird auf die in der Kapelle angepasst. Innen ist dann alles wirklich mit den herrlichsten Farben angemalt, sodass man sich kaum vorstellen kann, dass das alles schon jahrhunderte alt ist. Falls ihr mal in der Nähe seid, unbedingt hingehen!









Und so ist dann auch unser Tag in Padua und somit meine kleine Abschlussreise zu Ende gegangen. Jetzt bin ich noch eine Woche in Deutschland, dann fahre ich nochmal nach Bologna, um mich an der Uni auszutragen und mein ganzes Zeug zusammen zu packen. Ende nächster Woche ziehe ich dann nach Genua um, wo ich am 02.03. mein Praktikum beginne. Meinen nächsten Blogeintrag wird also schon aus Genua kommen!

Bis dahin,
Bacci!

Freitag, 6. Februar 2015

EILMELDUNG: "BOLOGNA DEM UNTERGANG GEWEIHT!"

Ciao Ragazzi,

eigentlich habe ich so wunderbar viel zu erzählen von meinen Reisen und Ausflügen, die ich in den letzten Tagen unternommen habe. Doch all das muss warten, denn es gibt Wichtigeres: WIR SAUFEN AB!

Ok, ganz so schlimm ist es nun doch nicht. Aber ich muss doch sagen, so etwas wie heute habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt!
Alles fing ganz harmlos an. Ich wachte auf, schaute aus dem Fenster, und stellte fest dass 30cm Schnee gefallen waren. Zwar habe ich mich darüber gefreut, mir jedoch nichts weiter dabei gedacht. Es lag eben Schnee. Gut.



Etwas verunsichert war ich, als meine Mitbewohnerin 45 Minuten nachdem sie sich zur Vorlesung verabschiedet hatte, wiederkam, und meinte sie muss erstmal die Schuhe wechseln, sie ist klitschnass, und der Bus fährt sowieso nicht an unserer Haltestelle. Ok. Ich sagte ihr, der Schnee wird bestimmt eh nicht lange bleiben, es regnet ja schon wieder, kann also nicht kalt genug sein für langanhaltenden Schnee. Nachdem sie wieder trockene Füße hatte, haben wir uns auf den Weg gemacht, um zu einer bestimmten Haltestelle zu laufen, wo der Bus stattdessen fahren soll. Und sobald ich das Haus verlassen hatte, wurde mir auch bewusst, warum meine italienischen Kommilitonen mich immer davor gewarnt haben auf Schnee in Bologna zu warten. "Das ist die reinste Katastrophe!". Jetzt weiß ich warum.

In einem Land, in dem ungefähr 8 Monate im Jahr Sommer herrscht, ist man nicht vorbereitet auf einen Wintereinbruch. Wo wohl schon bei ein paar Krümeln Schnee die komplette Infrastruktur versagt, war die Stadt heute mit dieser "Masse" absolut überfordert. Sobald ich aus der Tür trat, stand ich knietief im Schnee. Denn von Räumfahrzeugen war weit und breit keine Spur. Weder Straßen noch Fußwege waren geräumt oder gestreut, überall hat man nur die Fahrspuren der Autos oder Fußstapfen gesehen. Ihr denkt euch jetzt vielleicht, gut, Schnee, nicht geräumt, tut ja nicht weh. Das Problem war aber nicht der Schnee, sondern der den ganzen Tag anhaltende Regen.



Denn leider war es warm genug, dass der Niederschlag als Regen ankommt, aber kalt genug, dass der Schnee nicht weggetaut ist. Und wenn auf eine dicke (weil nicht geräumte) Schneefläche massenhaft Wasser trifft, dann wird das ganz unangenehm. Der Schnee untendrunter ist liegen geblieben, und in den Fußstapfen und Spuren der Autos hat sich das Wasser gesammelt. Und ich sprech hier nicht von ein bisschen Regen, sondern von stundenlangen Starkregen. Ich weiß ja nicht wer da den Wasserhahn nicht zugedreht hat...



Im Laufe des Vormittages haben sich hier also ganze Meere und reißende Flüsse gebildet, die sich über und unter dem Schnee ihren Weg gebahnt haben. Es ist nämlich auch nicht so, dass die Bologneser Stadtplaner genug Abwasserschächte eingeplant haben, und die wenigen die es gibt, waren von der Schneepampe verstopft. Man hatte also im Endeffekt die Wahl, entweder durch den kniehohen Schnee zu wandern (unter dem teilweise schon das Wasser langfloss) oder durch das knöchelhohe Wasser zu waaten. Bei ungefähr 3 Grad Außentemperatur macht das beides kein Spaß. 





Und selbst unter den Arkaden war man nicht wirklich sicher. Zwar gab es hier wenigstens kein Wasser von oben, jedoch wird der wunderschöne Mamorboden auch wunderschön rutschig, sobald hunderte tropfende Menschen über ihn drüber laufen. 





Irgendwo unter diesem Fluss war mal ein Zebrastreifen...
Und so war ich doch sehr froh, als ich nach ein paar Stunden in der Stadt endlich mein trockenes und warmes Heim erreicht hatte, auch wenn dann sämtliche Kleidungsstücke tropften (rund um das Wohnheim war ein Ring aus Wasser, ich musste also ca. 10 Meter durch die Fluten, sonst wäre ich nichtmal bis zur Tür gekommen). Leider sind die Bilder die ich gemacht habe nicht so wahnsinnig spektakulär, denn da wo es am krassesten war, war ich damit beschäftigt, mich nicht langzulegen. Oder eben abzusaufen.


Bacci!