Hi Folks, und frohe Ostern! Da mir heute ausnahmsweise ein freier Tag gegönnt wurde, kann ich mich endlich mal wieder melden. Auch hier ist alles voller bunter Ostereier und Hennen und überall sieht man die obligatorischen Grußkarten. So wirklich Osterfeeling kommt bei uns allerdings nicht auf: Obwohl Feiertage sind, hat Philip Karfreitag und Ostermontag Vorlesungen, ich muss Sonntag und Montag arbeiten. War also nichts mit dem kurzen Erholungsurlaub! Aber was solls, es muss ja schließlich vorwärts gehen. Und fleißig Schokoostereier essen wir trotzdem! In den letzten Tagen haben wir hier zwei kulturelle Highlights erlebt. Zuerst kam mein Chorkonzert mit der Edinburgh University Music Society. In der (soweit ich weiß) größten Kirche Edinburghs, St.Mary's Cathedral, haben wir gemeinsam mit dem Uniorchester "The Armed Man - A Mass for Peace" von Karl Jenkins aufgeführt. Das Stück wurde im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt geschrieben und wird von einem Film begleitet, in dem verschiedene Kriege und Konflikte eine Rolle spielen. Daher war das ganze auch echt dramatisch, von hämmernden Bässen und Blechbläsern bis zu so leisen und zaghaften Stellen, dass es schon wieder gruselig war, war alles dabei. Und so haben wir über 500 Gäste begeistert - es war restlos ausverkauft!
Ein Wochenende später waren wir dann zu Gast im Balmoral, dem teuersten Hotel in Edinburgh, dem Geburtsort des letzten Harry Potter Bandes (in die J.K.Rowling Suite hat man uns aber leider nicht gelassen). Anlass war der jährliche Engineering Ball. Da wir uns ja in Großbritannien befinden, geht hier nichts ohne Prestige und Traditionen. Und so ist es eben auch Tradition, dass jede Society (sowas wie ein Club, nur viiiiiel cooler) einen Ball veranstaltet. Für den unglaublichen Ticketpreis von £55 pro Nase durften wir dann aber auch ein feines 4-Gang-Menü verspeisen und unendlich viel Wein trinken.
Obwohl ich ja eigentlich immer für Bälle und ausgehen zu haben bin, war dieser Ball doch irgendwie etwas seltsam. Es fing schon damit an, dass der ganze Saal sehr unkreativ gestaltet war. Nun kenne ich diesen Raum in und auswendig, da wir dort schon so einige Hochzeiten ausgestattet haben, und warscheinlich bin ich deswegen auch ein bisschen vorbelastet. Aber so rein gar nichts an Deko zu haben muss ja nun echt nicht sein. So wirklich seltsam wurde es dann, als wir uns nach dem Sektempfang an die Tisch gesetzt haben und die Kellner rumgingen und uns die Servietten auf den Schoß legten. Den Gesichtern meiner Tischnachbarn zufolge fand nicht nur ich das ein bisschen komisch. Schon als wir den Raum betreten haben, habe ich mich gewundert dass gar nichts auf der Bühne steht. So GAR nichts. Kaum hatten wir mit der Suppe angefangen, wusste ich dann auch warum: pünktlich zu Beginn des Dinners trudelte dann nämlich die Band ein, baute lautstark ihr Equipment auf und machte Soundcheck. Man muss nun wirklich nicht Event Management studiert haben um zu wissen dass man das nicht macht! Und so war dann auch der ganze Abend: zwar irgendwie ganz nett, aber eben auch wahnsinnig unkreativ und unmotiviert. So sind sie eben, die Ingenieure! Richtig lustig wurde es dann jedoch nach dem Essen, als die Band anfing zu spielen. Vorher haben wir uns noch gefragt ob die Briten eigentlich auch zur Tanzschule gehen und klassisch tanzen können. Sobald die Musik einsetzte wurde uns bewusst wie blöd diese Frage war: in Schottland wird nicht Waltzer oder Tango getanzt, sondern natürlich Ceilidh! Ein Volkstanz der üblichweise im Paar, manchmal aber auch zu viert oder sechst getanzt wird, und mega Spaß macht. Es gibt ungefähr unendlich viele Varianten davon, deswegen wird üblichweise vorher immer erklärt wie das ganze abläuft. Trotz dieser Erklärung waren wir anfangs leicht überfordert, auch weil die Tanzfläche sehr klein und unsere Mittänzer sehr energetisch waren. Ich hab heute noch blaue Flecken! Trotzdem hat es mega Spaß gemacht und wir werden mit Sicherheit noch einmal zu einem offiziellem Ceilidh gehen!
Hi Folks, ja meine Freunde, ich gebe es zu, es ist lange her. Verdammt lange her. Und mir fällt nichts besseres ein als zu sagen: Schande auf mein Haupt! Aber ich komme hier einfach zu nüscht, wie man in der Heimat so herzallerliebst sagt. Mein zweites Semester neigt sich dem Ende zu, ich habe noch vier Wochen Uni und dann ist mein Studentendasein so gut wie Geschichte. Und bis dahin haben sich unsere Dozenten vorgenommen, uns noch einmal so richtig schön zu grillen, mit Hausarbeiten, verqueren Philosophen und ständig neuen Business-Plänen. Nebenbei geht auch das Hochzeitsgeschäft so langsam in die heiße Phase über, mit dem beginnenden März ist nun alle Ruhe vor dem Sturm vorbei und es wird wieder geheiratet wie das Böse. Ich komme mir schon immer ganz schäbig vor, wenn mich meine Mitbewohner fragen, was ich so in den letzten Tagen gemacht habe, und ich immer das gleiche sage: Uni. Arbeiten. Essen. Schlafen. Und wir wollen mal ganz davon absehen, dass ich zu dem ganzen Spaß auch noch unendlich viele Jobportale durchgucke, Cover Letter schreibe und mit meinem Career Adviser in Kontakt stehe - man muss ja auch an die Zukunft denken. Jetzt sagt ihr bestimmt, jammer nicht rum, du bist im Ausland und erlebst tolle Dinge. Und das stimmt auch. Seit meinem letzten Eintrag habe ich mich mit meiner Schwester in London getroffen und ein hammergeiles Konzert der weltbesten Band inklusive anschließendem Treffen mit dem Sänger besucht. Ich war auch in Irland, hab in den Pubs Dublins gefetet und mich mit meiner besten Virginia aus Genua in Galway getroffen. Ich hab einen wunderbaren Chor gefunden, mit dem ich am Samstag mein erstes Konzert singen werde, zu dem viele meiner neuen internationalen Freunde und Arbeitskollegen kommen. Ich hab viele tolle Dinge erlebt, aber dieser Spielverderber namens 'Alltag' hat mich daran gehindert sie mit euch zu teilen. Und leider nervt dieser 'Alltag' nicht nur und macht schlechte Laune, sondern ist auch furchtbar langweilig. Deswegen habe ich auch keine brandneuen Neuigkeiten für euch, außer dass ich immer noch hier bin, ich immer noch studiere, das Wetter in Schottland immer noch kalt und regnerisch ist. Ich weiß, das klingt nicht so wahnsinnig spannend und abenteurlich, aber irgendwie hat es ja auch was gutes. Für mich ist Edinburgh nicht mehr außergewöhnlich und überraschend (was nicht heißt dass ich mich langweile). Vielmehr ist das Leben hier so zum Alltag und zur Normalität geworden, dass mir viele Dinge gar nicht mehr auffallen. Ich gucke automatisch zuerst nach rechts, bevor ich die Straße üerquere. Ich trinke jeden Morgen im Büro meinen Breakfast Tea mit Milch und Zucker. Ich denke in Englisch und erschrecke manchmal richtig, wenn ich Touristen in der Stadt Deutsch reden höre. Selbst Philip und ich benutzen manchmal englische Wörter, weil uns die deutschen nicht mehr so schnell einfallen. Edinburgh ist nicht mehr das große Abenteuer, es ist ein Stück Heimat geworden. Und wer hat schon ständig aufregende Geschichten aus seiner Heimat zu erzählen?! Cheers! P.S. Ok, eine Sache amüsiert mich doch immer noch: das Anstellen am Bus. Wer zur Hölle hat damit angefangen, dass man sich in einer kerzengeraden Linie entlang des Wartehäuschens hintereinander für den Bus anstellen muss, den Blick fest auf die Schultern des Vordermannes geheftet? Und das Minuten bevor das Gefährt überhaupt in Sicht ist! Wenn ich so eine Monsterschlange an meiner Haltestelle sehe, laufe ich immer ganz verwirrt tuend daran vorbei, und stelle mich ins Wartehäuschen. Wenn jemand fragt, ich bin Italienerin. Das im-Pulk-in-den-Bus-quetschen-als-würde-das-Leben-davon-abhängen habe ich aus meiner vorherigen Heimat mitgebracht. Man kann sich ja nicht ständig umgewöhnen :P
Hi
Folks,
da es uns in Schottland nun langsam zu warm wurde, dachten wir, versuchen wir
es noch ein bisschen nördlicher, und haben die letzten Tage im frostigen Island
verbracht! Sechs Tage tummelten wir uns zwischen viel Schnee, Eis, Gletschern,
Vulkanen, eisigem Wind und flauschigen Islandpferden und wir müssen sagen: es
ist traumhaft!
Ok, zugegeben - es war kalt. Sehr kalt. Und damit meine ich: so richtig kalt.
Zwar sahen die Temperaturen an sich von -3 bis -9 °C noch gar nicht so schlimm
aus. Als wir allerdings das erste Mal den stürmischen Eiswind Islands erlebt
hatten, bei dem man kaum noch atmen kann und Gesichtsschmerzen vor Kälte
bekommt, sehnten wir uns doch ein bisschen nach dem schottischen Wetter! Die
unbesiegbare Kälte dieses Landes bringt allerdings auch einen ganz großen
Vorteil: SCHNEE! Und zwar so richtiger, weißer, unberührter, fluffiger Schnee!
Überall! Während Philip ihn das eine oder andere Mal verflucht hat, war es für
mich das Paradies auf Erden. Schnee! Da
es in Island keine Züge gibt und ich nicht unbedingt bei diesen winterlichen
Bedingungen Auto fahren wollte, habe ich schon zu Beginn der Reiseplanungen
verschiedene Ausflüge gebucht. Das ist der gängigste Weg um die ländlichen
Sehenswürdigkeiten der Insel zu besuchen, es gibt mehrere Anbieter die mit
großen Bussen von Reykjavik aus in alle Richtungen starten. Gleich am Anfang
stand daher ein Trip an die Südküste Islands an. Wir
starteten also, eingepackt in Funktionskleidung und unendlich vielen Schichten,
unser kleines Abenteuer. An diesem ersten Tag waren die Wetterfeen leider
nicht so ganz mit uns, es war sehr bewölkt und neblig, und durch den ständigen
Schneesturm wurde die Sicht auch nicht besser. Trotzdem haben wir mehrere
Wasserfälle besucht, sind an dem unaussprechbaren Eyjafjallajökull
vorbeigefahren (dem Vulkan der mit seiner Asche 2010 alle Flugverbindungen
lahmgelegt hat) und haben einen äußerst stürmischen Küstenspaziergang am
schwarzen Lavasteinstrand gemacht.
Nach diesem schon sehr kalten Einstieg, wurde es am folgenden Tag noch einmal
einen Zacken schärfer. Zwar hatten wir blauen Himmel und Strahlesonne, dafür
aber einen Sturm, der jedes Pfitzel Wärme weggeblasen hat. Aber wenn man in
Janaur nach Island reist, ist man wohl selbst dran Schuld, deswegen Augen zu
und durch! Die nächste Tour brachte uns zum Golden Circle, das Must-See der
Region, bestehend aus dem Pingvellir Nationalpark, dem Gulfuss Wasserfall und
einer ganzen Mannschaft an Geysiren. Was wir dort gesehen haben, hat uns
einfach umgehauen. Endlose weite, endlose Schneewüste und ganz viel nichts. Man
blickt sich um und in allen Himmelsrichtungen bis zum Horizont gibt es keine
Häuser, keine Straßenlaternen, keine Windräder. Es sieht so aus als wäre man
auf dem Mars gelandet, als wäre noch kein einziges Lebewesen zuvor dagewesen.
Versteht mich nicht falsch, ich bin Stadtmensch durch und durch und liebe
Menschenmassen und Zivilisation - aber diese absolute Ruhe im glitzernden
Schnee war einfach wunderschön.
Nach so viel Aufregung und Natur stand als nächstes erstmal ein entspannter Tag
in Reykjavik, Islands Hauptstadt an. Zwar ist sie mit 320.000 Einwohnern nicht
ganz klein - ein Tag reichte uns trotzdem, um alle wesentlichen
Sehenswürdigkeiten anzuschauen, wie die Kathedrale, die Einkaufsgassen, den
zugefrorenen Teich am Rathaus, den örtlichen Flohmarkt und die Küstenstraße.
Eine Besonderheit Reykjaviks ist, dass es in der Innenstadt zum Beispiel keine
internationalen Läden wie H&M oder ähnliches gibt, sondern nur isländische
Marken. An jeder Ecke findet man Geschäfte, die die traditionellen Island-Pullover
verkaufen (sehen für mich aus wie Norweger, gemusterte Strickpullover) oder
ähnliche Artikel.
Am selben Tag war dann der große Abend gekommen: wir sind auf Polarlichter-Jagd
gegangen. Angestachelt davon, dass man die wunderschönen Leuchtstreifen
angeblich sogar von Schottland aus sehen kann, dachten wir in Island kann ja
wohl nichts mehr dazwischen kommen. Also sind wir mit einem Bus voll anderer
Touristen aus der Stadt rausgefahren und haben irgendwo im nirgendwo
angehalten. Wir waren noch nicht mal aus dem Bus, da rief unser Guide schon:
"We can see the Northern Lights!". Voller Aufregung sprangen wir also
aus dem Bus - um gleich wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Was wir
uns als tanzende grüne Lichter vorgestellt hatten, die den Nachthimmel
erleuchten, dah anfangs eher aus wie der Kondensstreifen eines Flugzeugs. Zwar
konnte man durchaus etwas erkennen, aber wirklich grün war das nicht und
getanzt hat es erst recht nicht. Obwohl wir später noch etwas mehr Glück hatten
und sich die Farben und Formen etwas intensiviert haben, waren wir am Ende doch
ein bisschen desillusioniert. Also wie bei "Der Polarexpress" sah das
jetzt nicht aus... Leider
konnten wir auch keine Beweise mitbringen, die Lichter waren zu schüchtern um
sich fotografieren zu lassen. Und man braucht warscheinlich eine wesentlich
bessere Kamera als wir sie hatten.
Eigentlich wollten wir noch einen weiteren Tag in Reykjavik verbringen, doch
nicht sehr begeistert von der Stadt und dafür überwältigt von der Landschaft
Islands, haben wir uns spontan dazu entschlossen, doch noch ein Auto zu mieten
und unseren eigenen kleinen Roadtrip zu machen. Fast 600 Km weit hat er uns
gebracht, auf die Halbinsel Snaefellsjökull - und wieder wussten wir gar nicht
wo wir zuerst hinschauen sollten.
Mit unserem kleinen Flitzer haben wir die Halbinsel einmal umrundet, sind der
Sonne entgegen und vor dem drohenden Schneesturm davon gefahren. Wieder haben
wir ewig lange Bergketten gesehen, zugefrorene Wasserfälle bestaunt und uns am
Meer den rauen Seewind um die Nase wehen lassen (viel mehr hat bei unserem
Michelin-Männchen-Dasein nicht mehr rausgeguckt). Es war einfach nur schön!
Da
unser Rückflug erst am Abend ging, haben wir den letzten Tag in der Blue Lagoon
verbracht. Auch dies ein absoluter Touristenmagnet, ist eine zwischen 38-41 °C
heiße natürliche Quelle, die zur Wohlfühloase ausgebaut wurde. Zwischen
Reykjavik und dem Flughafen gelegen, kann man hier ganz entspannt eine paar
Stunden verbringen und sich die siliziumsalzhaltigen Schlammmasken ins Gesicht
klatschen, bevor es wieder nach Haus geht. Diese heißen Quellen versorgen
übrigens auch ganz Island mit heißem Wasser. Sehr umweltfreundlichen auf der
einen Seite, auf der anderen Seite aber auch immer wieder eine Überwindung sich
mit Wasser was wie faule Eier riecht die Zähne zu putzen.
Nach
sechs Tagen auf Island waren wir zwar ordentlich durchgefroren, aber auch
unendlich glücklich dagewesen zu sein. Das Land und seine unberührte Natur ist
wunderschön und einzigartig und somit auf jeden Fall eine Reise wert. Zwar hat
die Kälte mit Schnee und Eis dem ganzen nochmal einen besonderen Touch gegeben,
trotzdem haben wir schon festgelegt auf jeden Fall im Sommer nochmal hinfahren
zu müssen, wenn alles grün ist und blüht. Wer also noch auf der Suche nach
einem Reiseziel ist, egal ob im Winter oder Sommer - ihr könnt jetzt aufhören
zu suchen! Cheers!